Berichte von Aktivitäten der "Dänemarkfahrer"

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Das 45. Herbsttreffen der „Dänemarkfahrer“ in Schwerin

 

Klaus Sieg

 

Nach zähem Ringen überzeugte Angelika Springer, die Vorsitzende der „Dänemarkfahrer“ (DD), Almut Gäbel - die Vegesacker nennen sie liebevoll Schwerinchen - das diesjährige Herbsttreffen in Schwerin zu organisieren.  So gingen die Einladungen zu diesem 45. Herbsttreffen hinaus an alle DDs in Dänemark und in Deutschland.

 

Jedes vierte Mitglied sagte sein Kommen zu. Nach dem Meldeschluss standen 50 Ruderinnen und Ruderer aus sechs dänischen und zehn deutschen Vereinen auf der Meldeliste. Der Roskilde Roklub im hohen Norden schickte zwei, der Karlsruher Ruderverein im tiefen Süden einen, der Frankfurter (Oder) Ruderclub im Osten zwei und der Vegesacker Ruderverein im Westen 11 DDs zum Treffen. Die Vereine der anderen angereisten DDs liegen zwischen den vier genannten Städten.

 

Traditionell zählt zum Treffen eine einwöchige Wanderfahrt. Harzer, bürgerlich Hartmut Pohland, von der Rudervereinigung Hellas-Titania Berlin organisierte und leitete diese Tour. 20 Ruderinnen und Ruderer bemannten am Sonnabend, den 1. Oktober, in Röbel zwei Barken und ruderten auf der ihnen wohl gesonnene Müritz nach Norden. Zwei Kleinbusse und ein PKW folgten ihnen auf dem Landweg.  Die Rudertour führte über den Kölpinsee, den Fleesensee, durch Malchow  zum Plauer See. Die Überfahrt nach Plau war wegen des starken Nord-Ostwindes nicht einfach. Der Müritz-Elde-Wasserstraße folgend machten die beiden Barken am Nachmittag des 7. Oktobers am Steg der Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75 (SRG) fest.

 

Nach und nach trudelten dann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bootshaus der SRG ein. Angelika hatte Betten in der Jugendherberge gebucht. Daneben belegte sie noch die sieben Gästezimmer des Bootshauses. Nur Niels Abbednæs vom Kerteminde Roklub schlief einsam und allein in einer Pension in der Innenstadt.

 

Am Abend begrüßte Angelika die 50 angereisten DDs. Martina Ocik, die stellvertretende Vorsitzende der SRG, hieß ihre Gäste herzlich willkommen. Eine kurze Schilderung der Vereinsgeschichte rundete ihre Rede ab. Angelika gab das Büffet frei. Die Küche des Restaurants „ Ruderhaus“ präsentierte herrliche Leckerbissen. Seit dem letzten Herbstreffen in Silkeborg war ein Jahr vergangen. Nun gab es eine Menge zu erzählen, viel zu fragen. Harzer und Dirk Dreier (Karlsruher Ruderverein) tranken weder Wein noch Bier, Schnaps schon gar nicht. Sie versahen den Shuttledienst. Nach Bedarf kutschierten sie müde DDs zur Jugendherberge.

 

Sonnabend. Morgens. Es nieselte. Die Smartphones, die iphones  und die Tablets sagten einen regnerischen Tag voraus. Dazu zunehmenden Wind von Nordost auf Nord drehend. 4 Beauforts. Die Fahrtenleitung griff zum Plan B. Statt der beiden Barken und einiger Gigboote kamen nur die beiden recht hochbordigen Barken zum Einsatz. Die Gigboote blieben in den Hallen. Eine Hälfte der Ruderwilligen sollte die Boote zur Mittagsrast gegen den Wind nach Seehof rudern. Dort hatte dann die zweite Hälfte die Barken zu übernehmen und in ihnen zurück nach Schwerin zu fahren.. So der Plan B.

 

Noch lange genossen die Ruderinnen und Ruderer den Anblick der Schlossinsel mit ihrem wunderschönen, romantischen, vieltürmigen Schloss. Gekonnt navigiert nahmen die beiden Boote die unruhige See. Zum Glück fanden die Steuerleute den Stangengraben, die Verbindung zum Heidensee und weiter zum Ziegelsee.  Auf dem etwa 2.000 Meter messenden, neben einer Straße verlaufenden  Langen Graben fuhren die Barken in den Außensee. Nun konnte der Wind wieder seine Kraft zeigen. Zufrieden zogen die Mannschaften nach weiteren zwei unruhigen Kilometern ihre Boote unbeschädigt an den Seehofer Strand. 

 

In der Gaststätte „Zum Oberförster“ wartete bereits die Ablösung. Harzer und Dirk hatten sie von der SRG hergefahren. Nach dem Verzehr einer kräftigen Suppe, mehrerer Bockwürste, eines süßen Nachtischs  und eines kühlen Biers machten sich die Rückfahr-Crews auf den Weg zum Strand.

 

Die Steuerleute verfehlten die Einfahrt zum Langen Graben. Stattdessen steuerten sie ihre Boote unter einer Straßenbrücke hindurch direkt auf den Innensee. Ob diese Route versehentlich oder mit Absicht gewählt wurde, konnte nicht geklärt werden. Die Entscheidung erwies sich als richtig. Der stramme achterliche Wind schob die Barken nur so übers Wasser. Schon tauchte am Horizont das Schloss auf. Herrlich! Nun tat sich ein Problem auf. Wohin? Die Boote sollte an einem Segelverein an Land gehievt werden. Harzer sprach von einem blauen Kran. Aber Harzer war nicht an Bord. Die Barken kreuzten vor dem Ufer. Endlich, es mag eine halbe Stunde vergangen sein, wurde der gesuchte blaue Kran hinter einer Kurve entdeckt. Er steht am Ufer des Hafens des Schweriner Yachtclubs. 

 

 

 

Harzer überwachte mit Hilfe des Hafenmeisters das Verladen der Boote. Es gab keine Schwierigkeiten. Im Nu ruhten die Barken auf ihren Trailern, wurden abgeriggert und zum Bootshaus der SRG gefahren. Die Wochenfahrer reinigten und sicherten sie für den Rücktransport nach Berlin.

 

Während der Tagesfahrt wehte der Wind zwar kräftig, aber es gab keinen Regen. Dann und wann zeigte sich sogar die Sonne. Wieder einmal  griff die uralte Weisheit der Wandereruderer: Das Wetter wird am Steg gemacht!

 

Und was trieben die Landratten? 12 Frauen und Männer machten sich, nachdem sie den Barken nachgewinkt hatten, auf den Weg in die Schweriner Altstadt. Sie passierten das Schloss und wurden auf dem Marktplatz  von ihrem Stadtführer erwartet. Er erzählte von der über 850jährigen Geschichte der ältesten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, vom Gründer Heinrich dem Löwen, von den 12 Seen im Stadtgebiet, vom Fürstentum Mecklenburg- Schwerin. Einen Glanzpunkt der Führung bildete fraglos der Besuch des Schweriner Doms St. Marien und St. Johannis.

 

Der Nachmittag galt dem Besuch des Schweriner Schlosses. Schwerinchens Schwester empfing die Truppe im Foyer des Schlosses. Jeder musste sich einer Leibesvisitation unterziehen, die einer Kontrolle in einem Flughafen zur Ehre gereicht hätte. Dann ging es los. Treppauf, treppab. Vom Keller bis ins Dachgeschoss erkundeten die Landratten das Schloss. Auch diese imposante Bauwerk blickt auf eine abwechslungsreiche Vergangenheit. Sein Bau begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges residierte hier der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Nach der Abdankung diente es als Museum, als Rundfunkstation, als Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt und als und als sowjetische Militäradministration. Heute beherbergt das Schloss den Landtag des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern.

 

Das Büffet im Ruderhaus bot wiederum leckere Köstlichkeiten. Die Platten mit würzigen Zander- und zarten Schweinefilets musste der Koch immer wieder auffüllen. Die Vorsitzende Angelika bat um Ruhe. Es galt neue Mitglieder in die Vereinigung zur Pflege der deutsch-dänischen Rudererfreundschaft aufzunehmen und altgediente zu ehren.  Herzlicher Beifall  begleitete den Eintritt von Peter Fechner und Claus-Peter Adermann. Beide rudern im Ruder-Club Tegelort.  Die Ehrennadel für 25jährige DD-Zugehörigkeit steckte Angelika Kristian Kongsholm (Silkeborg Roklub) und Dirk Dreier ans Revers.  Für ihreüber 40 Jahre gehaltene Treue zeichnete Angelika Marlene Sieg, Peter Mascher und Hans-Erhart Venth (Wanze) aus. Alle drei sind Mitglieder des Vegesacker Rudervereins. Hipp-Hipp-Hurra! Der Abend verlief wie viele andere zuvor: erzählen, ein Glas Wein, ein Glas Bier, vielleicht auch einmal ein Schnäpschen. Gegen Mitternacht brachte Dirk die letzte Fuhre zur Jugendherberge. Harzer fuhr Niels in seine Pension.

 

Farewell und Tschüss bis zum nächsten Herbst, irgendwo in Dänemark.

Rügen Rund mit Harzer

Rügenumfahrt 9.7.-18.7. 2015

 

Text: Ingolf Martin (mit freundlicher Erlaubnis)

Fahrtenleitung: Sigrid und Hartmut Pohland

 

Gemeinsam mit den Veranstaltern dieser Wanderfahrt, organisiert von Hartmut und Sigrid Pohland

von der Rudervereinigung Hellas Titania Berlin, reisten wir am Donnerstag den 9.7. nach Stralsund an.

Geplant war schon für denselben Tag bis Schaprode zu rudern. Aber Wind und Wetter machten uns da einen Strich durch die Rechnung. Wir musterten die Situation vor Ort. Starker Wind der Stärke 9 wehten aus West über die gesamte Region. Die Wellen auf dem Strelasund hatten Schaumkronen. Selbst Leute dieses Heimatgewässers meiden es, da mit irgendeinem Boot rauszufahren. Wir bezogen Quartier für eine Nacht im Bootshaus des Stralsunder Ruderclubs, und unternahmen eine Stadtführung mit einer Ruderkameradin dieses Vereins. Nach dem üppig bereiteten Frühstück am folgenden Tag, fuhren wir nach Sagard, zu unserem ständigen Quartier für die nächsten Tage. Der Ehemalige Gasthof bot reichlich Platz für 14 Personen. Die paar Stunden bis zur Übernahme nutzten wir für eine Fahrt nach Binz, von wo die Schmalspurbahn abfahrbereit nach Göhren stand. Kaum etwas anderes als die Meeresbesichtigung war für uns wichtig. Als erfahrener Dänemarkfahrer unterwies uns Hartmut in allgemeine Verhaltensregeln in Küstengewässern, wie das Anlanden mit dem Heck voraus zum Strand bei Brandungswellen. Die DLRG hisste am Badestrand die rote Flagge. Im Gespräch mit ihnen sagte man, daß bei der Windstärke nicht mehr mit dem Rettungsboot aufs Meer gefahren wird. Bei nachlassendem Wind für den Samstag überlegten wir die Inselumfahrt im Gegenuhrzeigersinn zu starten. Wind und Niederschlag ließen gemäß der Vorhersagen des Seewetterberichtes auch nach. Am Steg wurde vor Abfahrt entschieden die Insel Rügen doch die Route Richtung Hiddensee zu beginnen. Wir ruderten mit 3 Seegigs, Riemenzweier mit Steuermann bis Schaprode als unser erstes Pausenziel. Der Himmel war so erfreulich blau, daß keinem das bisschen Gegenwind störte. Außerdem war jeder Teilnehmer nach zwei Tagen Landgang vollster Erwartung endlich auf dem Wasser zu sein. Vor der Insel Umanz ist das Wasser selbst sehr weit vom Ufer nur hüfttief. Einige Windsurfer vor unserem Kurs verlangten einiges Können von den Steuerleuten ab. Nach der Pause am Badestrand von Schaprode, ging die Fahrt weiter gen Norden. Durch den Lichteinfall der Sonne und der Thermik aus dem flachen Bodden erlebten wir eine Luftspiegelung. Der Horizont war so tiefergelegt, daß Hiddensee, Boote und Fahrwasserbetonnung scheinbar in der Luft über dem Horizont schwebten. Und das für einige Stunden. An der Insel Hiddensee vorbei, Backbord die offene See, nahmen wir Kurs zum Strand von Dranske. Gelegen auf dem Inselteil von Rügen, namens Wittow. Das Heranmanövrieren mußte vorsichtig erfolgen, da der Platz zwischen Buhnen lag, und der Strand steinig war. Nach dem Beinevertreten und Platzwechsel in den Booten war die letzte Tagesetappe zu bewältigen. Entlang dieser Nordwestküste entdeckten wir die schönsten, einsamsten und unerschlossensten Strände. Hierzu keine weiteren Angaben, sonst sind sie es bald nicht mehr. Am frühen Abend erreichten wir Kap Arkona, den nördlichsten Punkt der Insel. Bei Kurswechsel um den Felsen herum hatten wir auf die letzten 3 Km ziemlich kräftigen Schiebewind und ruhiges Wasser. Wir erreichten das kleine Fischerdorf Vitt, wo die Boote am Steg für die Weiterfahrt am Sonntag festgemacht wurden. Wir waren sehr zufrieden mit dem Vorankommen. Diese Tagesetappe von Stralsund war immerhin 75 Km. Die Rollsitze von 2 Booten wurden mit ins Quartier genommen, wo Hartmut die eckigen Räder gegen runde tauschte. Dieser Sonntagmorgen war von ruhigem Wetter und Glatter See. Die Tromper Wiek  bis Glowe wäre in der Situation auch im Renneiner überquerbar gewesen. Nach einer kurzen Pause im Marina von Glowe ging es mit einem kleinen Regenschauer weiter zu den Kreidefelsen Stubbenkammer und Königsstuhl, dem Sahnehäubchen der ganzen Wanderfahrt. Für Fotostops hörte vorher der Regen auf, nur die schattige Bewölkung blieb. Wir passierten Sassnitz, und beendeten unsere Tagesetappe hinter dem Fährhafen am Strand von Neu Mukran. Der montagfrüh begann ebenda mit der Überfahrt durch die Prorer Wiek. Aufmerksamkeit erforderten die Sichtung der Klippen hinter Binz, genannt Seehundsriff und bei Sellin das Quitziasriff. 2 Km danach steuerten wir Baabe als Pausenplatz an. Hier nahmen wir uns mehr Zeit. Einige Ruderkameraden nutzten das zum Baden. Hinter Göhren am Kap namens Nordpferd waren wieder Steinriffe zu umfahren. Ebenso das Dammriff in der Bucht bis Südpferd. Bei in der Wasserwanderkarte bezeichneten Stellen ist generell mit Untiefen zu rechnen. Unsere Tagesetappe endete an der Surf-Oase bei Thiessow, von wo uns der Landdienst abholte. Da machten uns die Brandungswellen das Anlanden nicht besonders leicht. Am sonnigen Dienstagfrüh ruderten wir über den Rügischen Bodden, vorbei an der Insel Vilm. Am Campingplatz  Pritzwald auf der Halbinsel Zudar legten wir wieder für eine längere Pause an. Die Umruderung des Zudars bis zum südlichsten Punkt von Rügen, den Palmer Ort, war vergleichsweise angenhem. Kaum um dieses Südkap herum, blies uns der Wind kräftig entgegen, was die 7 Km bis Stahlbrode zu ertragen war. Im Marina hinter der Autofähre war die vorletzte Tagesetappe geschafft. Wir setzten nach festmachen der Boote nach Glewitz über, wo am Parkplatz der Landdienst den Bus für die Rückfahrt nach Sagard geparkt hatte.

Dem Mittwoch, als letzten Rudertag, standen nur 22 Km bevor. Stabile Wetterlage. Schon früh nach 9:00 war ein Starker Gegenwind präsent, der durch den Strelasund bis zum Steg des Stralsunder Ruderclubs anhielt. Nun war es geschafft. Die Rügenumfahrt in 5 Tagen. Blieben immer noch 2 Tage bis zur Abreise. Die nutzen wir bei allerschönstem Wetter für eine Hin- und Rücktour nach Barhöft in Richtung Zingst. 

Die Seegigs bin ich das erste Mal gerudert. Ich habe bei allen 3 Booten  keinen Welleneinschlag erlebt. Bei einem starken und schwächeren Ruderer geht auch mal anzupassen. Denn durch die Innenriggeranordnung haben beide Ruderer die Hände des Steuermanns mit der Leine im Blick. 

Die Altersspanne der Mannschaft reichte von 20-79 Jahre. Der Altersdurchschnitt betrug ~51 Jahre.

Die Frauenquote (ohne Fahrer /Landdienst) lag bei 44,4%. Gastteilnehmer dieser von Hellas Titania Berlin organisierten Wanderfahrt kamen von der Bonner RG, RC Tegelort, TiB (Turnen in Berlin Abtlg. Rudern), SSG Rügen, und SSV Planeta Radebeul.

Am Heimreisetag, Sonnabend 18.7. '15 wurde der Seegigzweier „Roter Oktober“ nach Wolgast für eine dauerhafte Einlagerung transportiert. http://ruderverein-wolgast.de/

Dort steht von nun an das Boot für Wanderfahrten für Mitglieder von „Die Dänemarkfahrer“ zur Verfügung.  http://daenemarkfahrer.de/ . Für die Browsersuche das „Die“ davor weglassen!

 

Vielen Dank gilt sowohl dem Fahrtenleiterpaar Sigrid und Hartmut Pohland von Hellas Titania Berlin für die gelungene Organisation, als auch den Hobbyköchen unter den Fahrtenteilnehmern für die leckeren Zubereitungen aller Speisen.

 

Ingolf Martin, SSV Planeta Radebeul

Spunsen Medlemsblad for Silkeborg Roklub Nr. 4 / 2015

... mit einem Artikel zum DD Herbsttreffen 2015. Mit freundlicher Erlaubnis der Autoren.

 

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